
- Sehend machen
«Wenn eine eine Reise tut...», so lautet ein altes Sprichwort.
Von Mitte Februar bis Mitte März 2012 war ich, Inge H. Schmidt aus Dübendorf, wieder in Nairobi/Kenya. Seit dem Jahr 2001 besuche ich Nairobi regelmässig mehrere male im Jahr für die Projektbegleitung, für die ich zuständig bin.. Nebst meiner Projektbegleitung vor Ort traf ich mich (Februar/März 2012) mit Alex Weigel, der in Kibera (Slum/Stadtteil von Nairobi) lebt und arbeitet. Im Jahr 2008 besuchte er mich auf dem anderen Kontinent um zu sehen, was ich dort tue. Aus diesem Besuch bei mir und den Erfahrungen die er damals machte, entstand anschliessend sein Engagement für Kinder in Kibera. Mehr über meine Begleitung vor Ort in Kibera, wo es um sauberes Trinkwasser, Hygiene und Abfallentsorgung geht, siehe unter www.projekte-frauen-kenya.ch. Falls Sie mehr über meine Aufgabe erfahren möchten, kontaktieren Sie mich bitte - gerne informiere ich Sie persönlich über meine Mitarbeit mit den Menschen in Kibera.
Synesius im CCBRT in Daressalam, Februar/März 2012
CCBRT steht für Comprehensive Community Based Rehabilitation Tanzania. Wurde 1994 gegründet als nicht-staatliche Institution. Nicht Synesius ging natürlich alleine nach Tansania, aber er durfte Prof. U. Exner begleiten. Exner ist Mitglied unseres Vereins und Projekt Synesius unterstützt seine Einsätze durch Übernahme der Flugspesen. Exner war während den letzten zehn Jahren zweimal jährlich vor Ort und operierte täglich aufwendige Fälle. Das heisst stundenlang mit einem ad hoc gebildeten Team. Ohne Honorar. Im Gegenteil bezahlte er orthopädische Hilfsteile aus der eigenen Tasche. Als Beispiel der diesjährigen Kampagne sei die kleine Ramah Abdul Musim, geboren am 29. Mai 2008, erwähnt. Sie wurde an einem Freitag ins Spital überführt mit hohem Fieber und stärksten Schmerzen. Diagnose: fortgeschrittene Osteomyelitis (infektiöse Entzündung des Knochenmarks, mit hier schon ausgedehnten Auswirkungen auf die umgebenden Strukturen im linken Oberschenkel; bei Nichtbehandlung wird die Metaphyse, das Wachstumszentrum, zerstört mit den bekannten Folgen von Missbildungen, wie verkürztem Bein und Fistelbildung). Niemand war bereit Ramah am Wochenende zu operieren, schlussendlich leidet sie ja schon ungute drei Monate lang. Mittels Bakschisch, nicht von Synesius (warum eigentlich nicht?) konnte am Samstag operiert werden. Eine überzeugende Intervention von Synesius/Exner. Sie widmen ihre Freizeit nicht nur dem Sport, einer selbstgefälligen Kultur, der Selbstberäucherung und dem Dolcefarniente, sondern unseren Nächsten.
Beigefügt zum Herunterladen: Falldokumentationen, ungeschminkt, unter die Haut gehend, wie das meisterlich geführte Skalpell der Operateure. Zum Download.
Gemeinde- und Schuldispensarium: Tätigkeitsbericht Januar 2012

- v. l. n. r. Scholastica Achieng, Lilian Okoth und Rose Moraa
Sowohl im Gemeinde- wie im Schuldispensarium wurde zahlreiche Patienten behandelt.
Im Gemeindedispensarium wurde im Monat Januar 55 Patienten behandelt, mehrheitlich wegen Malaria, Wunden (Verletzungen), Durchfall, Erkältung/Grippe, Atembeschwerden (Cardiopulmonare Probleme) und Hauterkrankungen. (unter 55 Patienten sind Einzelpersonen zu verstehen, nicht etwa die von ihnen benötigten Konsultationen, die erfahrungsgemäss circa acht bis zehn Behandlungseinheiten erfordern. Insgesamt also über 400 Konsultationen. Anm. der Red.)
Im Schuldispensarium wurde viele Kinder behandelt vor allem wegen folgender Beschwerden und Krankheiten: Amöben, Durchfall, Wunden (Verletzungen), Erkältung und Grippe, Wurminfektion, Atembeschwerden und Hauterkrankungen (Allergien, Hautpilz).
Die am häufigsten behandelten Beschwerden waren: Erkältungen, Grippe, Durchfall und Husten.
Diese Erkrankungen konnten zufriedenstellend behandelt werden, da sowohl im Gemeinde- wie im Schuldispensarium die nötigen Medikamente zur Verfügung standen.
Es traten keine schwerwiegenden Komplikationen auf.
Mitteilungen aus dem Kibera Slum von Alex Weigel (Mail vom 8. März 2012)
Was sich seit unserem letzten Besuch im November geändert hat
Die Kostensituation hat sich auch im medizinischen Bereich über die Jahreswende katastrophal entwickelt, monatlich liegen jetzt Kosten von umgerechnet 1'000 GHF an. Sie sind bis ins Detail schön belegt. Frau Dr. Dorah Nyanja, Leiterin der Senye Clinic mitten im Kibera Slum tut ihr möglichstes, doch sind einfach die Preise für alles explodiert, die klinischen Einweg-Handschuhe z.B. haben sich einfach im Preis verdreifacht, Medikamente über Nacht verdoppelt und die Anzahl von uns behandelten Fälle erhöht sich aufgrund der wieder schlimmeren Ernährungssituation der Menschen hier jeden Monat deutlich. Wir bezahlen jetzt doppelt soviel für ein Ei wie im November, also Du Stephan hier warst. Seit eine neue Klinik mit Geburtsabteilung im ganzen Slum Gratis-Geburts-Gutscheine verteilt erhalten wir in Dorah's Geburtsklinik hauptsächlich nur noch die komplizierten Geburten. Allein diesen Montag sind 5 Babies auf dem Weg zur Geburtsklinik, die viel zu weit weg ist vom Slum, im Gegensatz zu unserer Klinik, nämlich 50 Minuten strammer Fussweg durch den Slum, auf dem Slumweg geboren worden, 2 sind kurz darauf gestorben, eines blieb gesund, weil es in der Nähe von Dorahs Clinic auf die Welt kam und zwei sind mit gesundheitlichen Problemen geboren worden (Unterkühlungen und Verletzungen), haben jedoch dank schneller medizinischer Hilfe doch fürs erste überlebt. Mit solchen Dingen schlagen wir uns hier herum und das bei leerem Konto. Aber eines haben wir gelernt hier: God will provide.

- Dr. Dorah Nyanja (Senye-Clinic)
Projekte in Tansania und in Kenia
Lesen Sie hier über unsere unterstützte Projekte in Tansania und in Kenia.
Vortrag gehalten am 24. Symposium, St. Josef-Stiftung in Bremgarten
Lesen Sie hier den Vortrag «Die Sehnsucht nach der absoluten Kommunikation», gehalten am 12. Januar 2012 am 24. Symposium in der St. Josef-Stiftung in Bremgarten.
Synesius in den Slums von Afrika

- Kibera Slum/ Nairobi, der weltweit grösste Slum (750'000 Bewohner)
«30% der Lebensmittel landen im Müll», so lautete eine Überschrift vom 13.11.2011 im Tages-Anzeiger. Frau und Herr Schweizer entsorgen im Jahr durchschnittlich 100 Kilogramm zum Teil tadellose Esswaren, und andernorts gibt es Menschen, die lebenslang zu 100% im und vom Müll leben, in einem der zahllosen Slums, zum Beispiel in Nairobi.
Vier Mitglieder des Vereins Projekt Synesius verbrachten ein paar Tage in den Slums von Nairobi. Röbi Peterhans, seit 42 Jahren in Tansania, auf dem Rückweg von einem Heimaturlaub nach Musoma am Viktoriasee, sein Bruder Isidor Peterhans, mit 35 in Ostafrika verbrachten Jahren auch kein Greenhorn mehr, kam extra aus Rom hergereist, Alex Weigel aus Dübendorf, der fast ganzjährig im Kibera-Slum wohnt und jeweils nur einen Monat zum Fundraising in der Schweiz weilt, sowie der Schreibende. Dies nach einem kurzen Abstecher nach Sanya Juu in Tansania, wo unser ursprüngliches Betätigungsfeld liegt, nämlich die Augen- und Zahnkliniken Emmaus. In der Zahnklinik konnten wir bereits unser zweites vollausgerüstete Behandlungszimmer eröffnen. Alles sauber und freundlich eingerichtet, wie bei uns in der Schweiz. Welcher Wechsel des Szenarios danach in den Slums von Nairobi! Dort Ruhe und Wohlgeruch von exotischen Pflanzen und Bäumen mit Sicht auf den frisch eingeschneiten Kilimandscharo, hier Hektik, Lärm bis tief in die Nacht und Gerüche, die nicht einer Haute Cuisine zu entstammen scheinen, aber auch viel Lachen und strahlende Kinderaugen, trotz allem.
Es liegt dem Schreibenden fern, hier in schwarz-weissen Klischees zu schwelgen und damit Armut und Perspektivenlosigkeit zu romantisieren. Wo Kinder leben, besteht immer noch eine Möglichkeit zur Hoffnung, und Ungleichheit begegnet man am besten durch Vermittlung von Bildung.
So unterstützt der Verein Projekt Synesius sowohl eine Schule mit über 300 Kindern im Mathare-Slum, unterhält in St. Bridget eine gerade erst erstellte Zahnklinik, der später auch eine Augenklinik angefügt werden soll, und stellt seine medizinischen Ressourcen, inklusive Ambulanz, auch im weltweit grössten Slum Kibera zur Verfügung, wo Eindrücke herrschen, die an die Grenzen des Ertragbaren gehen. Was aber haben wir dort zu suchen, was wir zu Hause, wenn auch nur ansatzweise, gefunden zu haben glauben? Ein Satz von Klaus Merz in seinem Roman «Jakob schläft» geistert einem durch den Kopf: «Am schwersten taten wir uns in Zeiten relativer Schmerzlosigkeit. Wir hielten die Latenz neuer Wunden nicht aus, wandten uns sofort fremdem Leiden zu, das wir jedoch noch weit schlechter ertrugen als die eigenen Bresten». Wenn wir relative Schmerzlosigkeit mit relativem Wohlstand und optimaler medizinischer Versorgung bei uns gleichsetzen, so wird einem der Abgrund zwischen hier und dort erst recht bewusst. «Bin ich der Hüter meines Bruders (meiner Schwester)?» fragt Kain, nachdem er seinen Bruder Abel aus Missgunst erschlagen hat. Eine Antwort erübrigt sich, wobei man getrost einen Bruder ermorden darf, wenn er sich denn Armut, Unwissen oder Krankheit nennt. Solche Tyrannei auszurotten scheint legitim, auch ohne medizinische oder behördliche Rezeptur, ihr den Garaus zu machen quasi ein Imperativ.
Wir haben eine halbe Nacht in einer Geburtsklinik im Kibera-Slum verbracht. Beim Wort «Geburtsklinik» denkt man an saubere, helle Räume. In jenen kleinen, fast lichtlosen und fleckigen Verliessen mögen keine Könige geboren werden, aber HoffnungsträgerInnen. Das frisch geschlüpfte Knäblein wird den Namen eines Teilnehmers tragen. Der nächste Säugling aber wird Synesius – oder wenn es ein Mädchen ist - Synesia gerufen werden. Durch Ihren Beitrag, sei er moralischer Art oder sogar durch einen Einsatz vor Ort – auch finanzielle Unterstützung ist willkommen – können Sie dazu beitragen, ein wenig Ungerechtigkeit zu korrigieren.
St.G.
Warum Kurzsichtigkeit auch ihre Vorteile haben kann

Vor höchst motivierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, genau paritätisch verteilt, durfte der Präsident das Vereinsjahr Revue passieren lassen.
Erfolgszahlen?, monierte er. Unsere Erfolgszahlen beruhen auf dem Ungleichgewicht zwischen Benachteiligten und uns. Also darf man nicht von statistischen Erfolgen sprechen, etwas, was selbstverständlich ist, zur eigenen Habenseite schlagen. Entwicklungszusammenarbeit ist Geben und Nehmen. Eine Win-win-Situation, die beiden beteiligten Parteien einen Nutzen bringt. Projekt Synesius versteht sich als Vermittler zwischen Benachteiligten, sei es hier oder in der Ferne. Der Theologe würde vielleicht von Nächstenliebe und Fernstenliebe sprechen, wie wenn beide nicht eins und untrennbar wären, sein sollten.
Jeder Unternehmer, Politiker oder irgendein Vorstand, der einigermassen bei Sinnen ist, hat Visionen. Kurz-, mittel- und langfristig wird geplant. Man könnte sie auch Demographen nennen, die die richtige Entwicklung der Bevölkerung vorauszusagen im Stande sind. Vielmals nur ein kleiner Schritt zur Demagogie.
Und wir? Wir planen „nur“ kurz- und ausnahmsweise mittelfristig, wir möchten noch gerade stehen für das, was wir anrichten. Denn was nützt es einem Kind, wenn es durch Planung in 20 Jahren gerettet werden könnte, aber hier und gerade jetzt elend zugrunde geht (den tatsächlich gesprochenen Satz „aber hic et nunc verreckt“, wurde vom sensiblen Lektor gestrichen)?
Strukturänderungen bewirken nicht wir, sondern die Kinder, die künftigen Erwachsenen, die wir durch Schulbildung und mit medizinischer Assistenz begleiten möchten. In x Jahren sollten wir überflüssig sein, oder, was wir jetzt schon anstreben, Partner auf Augenhöhe.
Als Beispiel unter vielen schilderte der überaus glaubwürdige und engagierte Co-Referent Alex Weigel, der selber fast ganzjährig mitten in den Slums von Nairobi wohnt, folgende Begebenheit: Vor knapp drei Wochen musste eine junge Mutter ihre drei kleinen Kinder zu Hause lassen um abends ihrem Broterwerb, dem Verkauf von selbstgerösteten Erdnüsschen an betrunkene Männer, nachzugehen. Damit die Kinder sich nicht zu fürchten bräuchten, zündete sie vorsorglich eine Kerze an. Das Schicksal liess sich nicht bitten. Die Ärztin konnte notfallmässig die Verbrennungen der Kinder lindern. Keine Ambulanz. Das Taxi liess auf sich warten. Alle drei starben darin. Am Wochenende ist also im grössten Slum der Welt kein Rettungsfahrzeug vorhanden. Synesius stellt jetzt eine bestens ausgerüstete Ambulanz zur Verfügung. Kurzfristig planen, kurzfristig handeln ist nicht Kurzsichtigkeit, ist eine weite Sicht. Langzeitplanung, wie fatalistisch und unbestimmt sie sich kleidet, kann ohne Zweifel Gutes bewirken, aber leben Sie als Leserin, als Leser, und die Kinder dann noch?
Zum Nachdenken anregende Bilder, auch von der einzigen in einem Slum erstellten Zahnklinik. Dank Synesius, den Vereinsmitgliedern und Sponsoren. Bremgarten bewirkt etwas.
Briefwechsel
Lesen Sie hier den Briefwechsel zwischen einer 5. Klasse in Bremgarten und der St. Michael Schule.
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